Zweiter Weltkrieg

Vor 75 Jahren – Das Kriegsende in Bonn und der Region

Die Ereignisse der letzten Tage des Zweiten Weltkriegs in Tagebuchform

Mit dem Herbst 1944 hat der Zweite Weltkrieg endgültig Bonn erreicht. Beim schwersten Luftangriff auf die Stadt am 18. Oktober 1944 wird ein Großteil der Innenstadt zerstört, rund 400 Menschen sterben. Während im Osten die Staatsgrenze zur Front wird, bricht auch wenige hundert Kilometer westlich von Bonn das letzte Kapitel des Krieges an, fordert aber noch einmal zahlreiche Menschenleben.

Im Hürtgenwald nahe Aachen fallen im Herbst 1944 fast ebenso viele US-Soldaten wie später im gesamten Vietnamkrieg. In der amerikanischen Militärgeschichte nehmen die Ereignisse in dem unwegsamen Waldgebiet bis heute als Metapher des Schreckens einen festen Platz ein. Unter enormem Aufwand bringt die deutsche Ardennenoffensive um die Jahreswende 1944/45 der Wehrmacht zunächst die erhoffte Entlastung, bricht dann aber aufgrund mangelnder Versorgung im Januar 1945 in sich zusammen. Währenddessen konnte Aachen als erste deutsche Stadt nach schweren Kämpfen bereits am 21.Oktober 1944 von den Alliierten besetzt werden, ein Stück westlich davon verläuft Anfang Februar die Front. Strategisch wichtige Städte wie Euskirchen mit seinen Brücken über die Erft) sowie die an der Rur gelegenen Städte Düren, Jülich und Heinsberg werden bei Angriffen schwer zerstört.

Bombenangriff auf Bonn
Bonn hat im Verlaufe des Krieges 72 Luftangriffe über sich ergehen lassen müssen, darunter sieben Großangriffe. Doch der Angriff vom 18. Oktober 1944 prägte sich als der stärkste und folgenschwerste ins Bewusstsein der Kriegsgeneration ein. 75 Jahre nach dem Angriff wurde in Bonn der Zerstörung der Altstadt gedacht Prälat Klaus Becker erlebte den Angriff als Messdiener bei einer Taufe. Im General-Anzeiger erinnert er sich 75 Jahre danach, wie er den Tag und die Wochen danach als Elfjähriger erlebt hat.
Bombenangriff auf Lengsdorf
Am 28. Dezember 1944 starben bei einem Bombenangriff auf Lengsdorf 60 Menschen. Karl Schneider schrieb seine Erinnerungen zu dem Angriff der Aliierten auf.
Luftangriff auf Siegburg
Am 28. Dezember 1944 wurden die Siegburger Innenstadt und die Abtei bei einem Luftangriff schwer getroffen. Es gab zahlreiche Tote und Schwerverletzte. Ein Rückblick.
Bombenangriff auf Rheinbach
Am 29. Januar 1945 sterben bei einem Bombenangriff auf Rheinbach mehr als 130 Menschen. Heinz Löhrer geht im Archiv seines Vaters auf die Suche nach Fotos von damals.
Bombenangriff auf Odendorf
Am 10. Januar 1945 ging über Swisttal.Odendorf ein Bombenteppich nieder. Maria Michels, damals sieben Jahre alt, erinnert sich.
Kriegsende im Ahrtal
Jedes Jahr am 23. Dezember läutet die Glocke von Sankt Antonius in Green (Kreis Ahrweiler) in Erinnerung an den Bombenangriff 1944. Wie durch ein Wunder gab es keine Toten. Für die Nachbarorte Ahrweiler und Bachem sollte sich der 24. Dezember jedoch als Schreckensweihnacht erweisen. Bei einem Bombenangriff am Mittag des 29. Januar 1945 verloren 85 Menschen ihr Leben. An Tagen mit klarem Himmel suchte während der letzten Monate des Zweiten Weltkriegs nahezu die gesamte Bevölkerung von Ahrweiler Schutz im Silberbergtunnel.

Zugleich versuchen Amerikaner und Engländer, auch das künftige Angriffsgebiet „sturmreif“ zu schießen und fliegen nahezu täglich ihre Angriffe auf kleinere wie größere Städte hinter der Front. Die britischen Bomber kommen in der Nacht und werfen ihre Fracht vorrangig über Wohngebieten ab, um die Unterstützung der Bevölkerung für das nationalsozialistische Regime zu brechen. Die Amerikaner hingegen fliegen bei Tageslicht und treffen vor allem kriegswichtige Betriebe und Verkehrswege.

Die letzten Kriegstage

Am Niederrhein bereiten sich amerikanische, britische und kanadische Bodentruppen auf den Vorstoß zum Rhein vor. Und auch in Bonn lebt die Bevölkerung in einer Mischung aus Erwartung der heranrückenden Truppen und Bewältigung des Alltags. Der General-Anzeiger zeichnet die Ereignisse in Tagebuchform nach.

31. Januar – 5. Februar
5. Februar – 9. Februar
10. Februar – 14. Februar
15. Februar – 19. Februar
20. Februar

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31. Januar

Längst füllen in den Lokalzeitungen die Todesanzeigen mit den Namen Gefallener und Bombenopfer aller Altersgruppen neben dem Eisernen Kreuz täglich mehrere Spalten. Am 31.Januar melden die „Bonner Nachrichten“ aus Rolandseck den Tod eines Prominenten: „Peter Millowitsch, der Leiter der weit über das Rheinland hinaus bekannten Kölner Millowitsch-Heimat-Bühne, ist hier nach kurzer Krankheit gestorben. 38 Jahre lang verkörperte er in vielen Bühnenstücken das kölsche Leben, dem er vor allem als Tünnesdarsteller mit unverwüstlichem Lebensmut immer wieder treffend Ausdruck verlieh“.

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1. Februar

Angesichts der ständig zu erwartenden Bombenangriffe gibt die Zeitung Weisungen „von oben“ weiter: „Auch Kraftfahrzeuge und Fahrräder müssen während der normalen Verdunkelungszeit ordentlich verdunkeln. An den Eingangsstraßen der Städte werden ab jetzt Warnflaggen aufgestellt, um hereinkommende Fahrzeuge darauf aufmerksam zu machen, daß in der betreffenden Stadt Alarm gegeben ist.“

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2. Februar

Die Bonner Polizei geht per Pressemeldung auf ein zeittypisches Delikt ein: „Trotz hoher Strafe wird immer wieder in Wohnungen und Keller beschädigter Häuser eingedrungen und daraus gestohlen, was nicht niet- und nagelfest ist. Die Täter sind auch in den Kreisen zu suchen, die selbst bombengeschädigt sind und nunmehr auf billige Weise mit fremdem Eigentum einen Hausstand errichten wollen, selbstverständlich unter Verwendung besserer Sachen als die eigenen waren. (…)“

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3. Februar

Das Standesamt Bad Godesberg beurkundete im Januar 45 Geburten, 18 Eheschließungen und 150 Sterbefälle.

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4. Februar

Der letzte schwere Bombenangriff auf Bonn und Bad Godesberg. US-Luftstreitkräfte werfen rund 2000 Sprengbomben und zahlreiche Brandbomben ab. Weil brennende Reisighaufen und Magnesiumfackeln zwischen Annaberger Hof und Ippendorf die amerikanischen Piloten täuschen, bleibt die Innenstadt weitgehend verschont. Zerstörungen gibt es in Kessenich und in der Flak-Kaserne auf dem Venusberg. 

Bei einem Angriff auf Bonn wird ein viermotoriger britischer Lancaster-Bomber abgeschossen. Beim Absturz in Beuel, vermutlich nahe der heutigen Elsa-Brandström-Straße, verlieren alle sieben Besatzungsmitglieder ihr Leben.

Die damals zwölfjährige Uschi Keusen aus Mehlem führt zu dieser Zeit ein Tagebuch. Am 4.Februar 1945 notiert sie in lakonisch: „Gestern habe ich meiner Buche im Vorgarten den ersten Frühlingsbesuch abgestattet. Aber weil die Bomben fielen, mußte ich wieder hinunterklettern. Man merkt nur zu gut, daß wir frontnahes Gebiet sind, denn den ganzen Tag wackelt das Haus.“

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5. Februar

An der Urft-Talsperre und in der Schneifel versuchen amerikanische Truppen vorzurücken. Die Bonner Polizei meldet: „In der Sternstraße wurden zwei Fässer Butter zu je 50 kg und zwei Kisten Mainzerkäse gestohlen. Die Ladentür wurde mit Gewalt aufgebrochen. Es handelt sich offenbar um Täter, die mit der Beute schwunghaften Handel treiben. Durch diese Tat ist nicht nur der Verteiler geschädigt, sondern vorwiegend die Volksgenossen, denen dadurch die Ware entzogen wird. Wenn daher andere gewissenlose Volksgenossen solche Waren im Schwarzhandel kaufen oder tauschen, um sich zusätzlich Lebensmittel zu verschaffen, müssen sie mit schwerer Bestrafung rechnen. Die Erfahrung hat gezeigt, daß diese Menschen von den ermittelten Einbrechern in keinem Falle geschont werden.“

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6. Februar

In ihrem Tagebuch vermerkt die zwölfjährige Uschi Keusen aus Mehlem: „Die russische Offensive steht schon 50 km vor Berlin. Wir haben kein Salz mehr; auch mit Brot sind wir sehr schlecht dran. Von Baden-Baden hörten wir vorige Woche. Gestern sagte der Wehrmachtsbericht: „Aus Appenweier wurde der Feind wieder geworfen.“ Das ist von Baden-Baden so weit wie von hier bis Remagen! Aus allen diesen Berichten kann man auf ein baldiges Kriegsende hoffen!“

Für Jungen, die etwas älter sind, gilt das nicht. Als Teil des „letztes Aufgebotes“ werden auch Männer zwischen 16 und 60 Jahren zum „Endkampf“ an die Front gerufen. An seinem 16. Geburtstag im Februar 1945 erreicht etwa Heinz Felten die Einberufung ins Wehrertüchtigungslager Haus Calmuth bei Remagen. Bis zu 250 Gleichaltrige sollen dort fit gemacht werden gegen die „anglo-amerikanischen Imperialisten“. Doch Feltens Gruppe desertiert.

Im Westen werden schwere Kämpfe entlang der deutsch-luxemburgischen Grenze gemeldet. In der Eifel haben deutsche Verbände die Rurtalsperre gesprengt, um den Vormarsch der Alliierten zu bremsen.

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7. Februar

Nahe Kleve am Niederrhein beginnt die „Operation Reichswald“, in deren zweiwöchigem Verlauf mehr als 10.000 Soldaten beider Seiten fallen. Die Schlacht bildet den Auftakt des Rheinfeldzuges, der bis zum 10. März 1945 auf der Gesamtlänge des westlichen Rheinufers zur Verdrängung der deutschen Truppen führt. In der Höhe von Köln und Mönchengladbach bildet das Flüsschen Rur seit dem Herbst die Front.

Manfred Kersten aus Köln-Riehl ist 15 Jahre alt, als er sich am 7. Februar 1945 im schwäbischen Binswangen zur Erfüllung seiner „Jugenddienstpflicht“ meldet. „Wir gehen einer immer schrecklicheren Zeit entgegen“, schreibt er am 12. Februar in einem Brief an die Eltern. „Der Feind dringt immer weiter vor, und wenn die Engländer bis Lindau vordringen, dann wird sicher der Volkssturm von Oberstdorf und Umgebung aufgerufen. Dann müssen wir alle an die Front.“ Fest verankert in seinem bürgerlichen Elternhaus – der Vater war Anhänger der katholischen Zentrumspartei – habe er gelernt, den Indoktrinierungsmaßnahmen der Nazis zu widerstehen, erzählt der 85-Jährige 70 Jahre später dem General-Anzeiger. Dreimal tritt er im Ausbildungslager auf die Frage „Wer meldet sich nicht freiwillig an die Front?“ nach vorn, beim dritten Mal wird er so zusammengetreten, dass er wimmernd am Boden liegt. Den Krieg überlebte der später in Mehlem lebende Kersten, die Jahre unter der Knute des Nationalsozialismus nennt er „eine verlorene Jugend“.

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8. Februar

Die „Bonner Nachrichten“, deren Aufmacher auf der Titelseite nun fast täglich im gleichgeschalteten NS-Jargon mit den Worten beginnt „Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt“, empfehlen für den Aufenthalt auf den Bahnhöfen: „(…) Wenn die Sirenen ertönen und die Bahnhofslautsprecher Fliegeralarm verkünden und zum Verlassen des Zuges auffordern, dass also schnellstens in Richtung der rot-gelben Pfeile oder nach den Anweisungen der Bahnbeamten die Luftschutzräume aufsuchen (…)“ Gekämpft wird in der Schneifel, entlang der Flüsse Mosel, Sauer und Rur. In Schlesien bildet die Oder die Front, Ostpreußen ist von der Roten Armee eingeschlossen. Für die überlebenden Bewohner der Dörfer rund um den Hürtgenwald heißt es erst einmal aufatmen. Nach vier Monaten enden dort mit der alliierten Einnahme des Eifel-Ortes Schmidt am 8. Februar die Kämpfe.

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9. Februar

Das auf dem Rhein zwischen Linz und Kripp verkehrende Fährschiff „Franziska“ erhält am Nachmittag des 9. Februar, einem Freitag, einen Volltreffer durch angreifende amerikanische Bomber. Drei Meldungen aus den „Bonner Nachrichten“: „Hunde, die bei Fliegerangriffen auf Bonn verloren gingen oder gefunden werden, wolle man in Bonn beim Fundbüro im Stadthaus oder in Godesberg beim Fundbüro im Rathaus abgeben.“
„Die Hausschlachtungen sind besonders geeignet, das Sammelergebnis des wichtigen Rohstoffs Knochen weiter zu steigern, (…) sodass durchschnittlich bei jeder Hausschlachtung aus der Knochenablieferung drei Stück Seife zusätzlich gewonnen werden können.“
„Verdunkelungszeiten: 9. Februar Verdunkelung 17.37 Uhr. 10.Februar Entdunkelung 7.17 Uhr.“

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10. Februar

Seit Tagen herrscht im Rheinland bittere Kälte. Am Wochenende des 10. und 11. Februar 1945 werden in Bonn zeitweise minus 20 Grad gemessen.
In der Schneifel bei Prüm versucht die 3. US-Armee den Durchbruch. Schwere Kämpfe zwischen kanadischen und deutschen Einheiten bei Nimwegen. Die Gegend um Aachen ist seit mehr als drei Monaten unter amerikanischer Kontrolle. Von dort melden die NS-geprägten Zeitungen unter der Rubrik „Aus dem feindbesetzten Grenzgebiet“: „Im Wurmrevier und dem Selfkant fanden in der letzten Zeit wieder umfassende Haussuchungen bei den Deutschen statt. Wegen verbotenen Besitzes von Waffen, Radioapparaten und Bildern führender Persönlichkeiten des nationalsozialistischen Deutschland wurde eine ganze Reihe von Verhaftungen durchgeführt.“

Im Deutschen Reich werden unterdessen Todesstrafen für „Pflichtvergessene“ verhängt: „Das Urteil ist durch Erschießung vollstreckt worden“, melden lapidar die Zeitungen. In anderen Fällen werden die Delinquenten „in das Bewährungsbataillon eingereiht“.

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11. Februar

„Nun wohnen hier bei uns noch mehr Leute….“, beginnt Uschi Keusen aus Mehlem ihren Tagebucheintrag am 11.Februar 1945. Es ist Karneval, und dann gibt es Alarm….

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12. Februar

Die Behörden im Siegkreis erlassen einen Appell an die Bevölkerung, sich „im Stromverbrauch ab sofort denkbar größte Einschränkung aufzuerlegen“. Die Stromeinsparung, die mindestens 30 Prozent betragen soll, beruht zunächst noch auf Freiwilligkeit. „Partei und Behörde erinnern jeden Volksgenossen an sein Pflicht- und Verantwortungsbewußtsein und erwarten, daß durch ausreichende freiwillige Stromeinsparung Zwangsmaßnahmen vermieden werden“, heißt es in dem Erlass.

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13. Februar

Unter der Überschrift „Tapferes Bonn“ beschwört in den „Bonner Nachrichten“ ein Autor mit dem Kürzel Dr. Th. mit pathetischen Worten das Erscheinungsbild der zerstörten Universitätsstadt: „Gewiß, die Härte der Gegenwart erlaubt uns nicht, einer in so vielen Jahren geliebten schönen Silhouette eines Schlosses, eines Turmes nachzutrauern. Und doch geht mit jedem Schritt unsere schmerzvolle Liebe zu der untergegangenen Schönheit mit durch Bonn.“ Und weiter heißt es, ganz im Stil der Durchhaltepropaganda: „Es gibt unermeßliche Dunkelheiten in unserer zerstörten Stadt, aber es gibt darin das gütige Lächeln tapferer Frauen, es gibt das herzhafte Wort furchtloser Männer, es gibt aus der Tiefe des Lebensglaubens das unbesiegbare Dennoch des Geistes.“

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14. Februar

„Deutsche Panzergrenadiere zwischen Niederrhein und Maas im Gegenangriff“ titeln die Zeitungen an diesem Tage. Zwischen zahlreichen Meldungen über Misserfolge der alliierten Kräfte und Durchhalteparolen für die eigenen Truppen finden sich empfohlene Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der Disziplin, darunter unter anderem ein Rezept zur Dauerverwendung von Rasierklingen, die Mangelware sind – und das durchaus mit zeitgemäßen Anspielungen: „Es wendet sich an auch an all jene, die so gern ihre empfindliche Haut ins Feld führen.“

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15. Februar

Weiterhin werden in Presse und Rundfunk vermeintliche militärische Erfolge wie Siegesmeldungen gefeiert. Vom Untergang Dresdens durch Bomben der Alliierten hingegen: kein Wort; von deutschen Kriegsverbrechen ohnehin nicht. Dafür eine Meldung, dass der schiefe Turm von Pisa unter alliiertem Artilleriefeuer zerstört worden sei. Und kaum etwas, das vor der Propaganda sicher, wie ein Porträt in den „Bonner Nachrichten“ dokumentiert: „Alles hing am seidenen Faden… Wie Major Molinari aus Bonn das Ritterkreuz erwarb“ titelt die Geschichte auf der Rückseite des Tagesblatts. „Er stammt aus Bonn am Rhein, wo er am 7. Februar 1915 als Sohn des Generaldirektors Molinari geboren wurde […]. Er rollte als Panzermann durch Polen und Frankreich, zog mit den ersten Kampfwagen in Athen ein, bildete zwischendurch auf der Schule für schnelle Truppen Offiziere aus und schlug sich auch im Ostfeldzug kreuz und quer durch Sumpf und Steppe. Und ist trotzdem der Alte geblieben, ein Kind der Rheinischen Landschaft, sonnig und heiter und niemals verzagt. Wenn es aber rangeht, so sagen seine Leute, steckt der wahre Teufel in der schwarzen Jacke.“

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16. Februar

Nach den letzten schweren Bombardierungen zu Beginn des Jahres hat sich die Kriegslage im zerstörten Bonn halbwegs beruhigt – was vereinzelte Tieffliegerangriffe nicht ausschließt, wie Zeitzeugen berichten. Dramatisch ist Mitte Februar hingegen die Situation 150 Kilometer rheinabwärts: Bei den Angriffen auf Wesel am 16.Februar wird die mittelalterliche Kleinstadt am Niederrhein zu 98 Prozent zerstört. Nach den großen Verlusten von Arnheim wollen die Alliierten diesmal auf Nummer Sicher gehen, denn die Brücke ist ein wichtiger strategischer Punkt für die Überquerung des Rheines. Das Bild der Innenstadt als Kraterlandschaft geht durch die Weltpresse. „Overbombed“ nennen die Stadt selbst die britischen und amerikanischen Infanteristen, die später die Stadt zu Fuß erobern.

Aus Bonn wird derweil eher Nachrangiges gemeldet: „Aus einem Lebensmittelgeschäft am Bonner Talweg wurden durch Einbruchdiebstahl 38 kg Butter aus einem Faß und etwa 15 kg Margarine in Pfundpaketen gestohlen“, heißt es in der Zeitung.

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17. Februar

„Und sie werden nicht mehr frei ihr ganzes Leben…“, so hatte Adolf Hitler in seiner „Reichenberger Rede“ 1938 die komplette Vereinnahmung der Jugend für den Nationalsozialismus umschrieben. Wie sehr sich auch die Erwachsenenwelt von der Diktatur durchdringen ließ, zeigt sich bis in die Winkel des Alltags.

Zwei Beispiele aus der Bonner Gastronomie der 1940er Jahre, bei denen das Bekenntnis zum NS-System als Werbeträger genutzt wird. Das Hotel Ewige Lampe war ein typisches Bonner Lokal, direkt am Markt, links neben dem Sternhotel. Das Foto war zugleich eine Werbekarte des Hotels. Auf der Rückseite befindet sich ein Stempel mit der Aufschrift: „Hier verkehrt der Nationalsozialist…“

Ähnlich das Bild im Café Schöpfwinkel in der Bonngasse. Am Oktober 1944 fanden sich auch die beiden Lokale in der Innenstadt im Zentrum des schweren Luftangriffs wieder, der die Bonner Innenstadt in weiten Teilen zerstörte.

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18. Februar

In der Eifel bei Echternach brechen Truppen der 3. US-Armee durch den Westwall, die schlesische Hauptstadt Breslau ist von der Roten Armee eingekesselt, an der französischen Atlantikküste kämpfen versprengte Wehrmachtseinheiten weiter, obwohl Frankreich längst befreit ist. Und in Berlin verleiht Adolf Hitler das Ritterkreuz mit Eichenlaub und Schwertern an Offiziere seiner SS-Leibstandarte.

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19. Februar

Weiter wird an der Rur, in der Schneifel und am Niederrhein gekämpft. Schottische Truppen nehmen Goch ein. Auch in Bonn ist die Lage allen klar. Die damals zwölfjährige Uschi Keusen schreibt in ihr Tagebuch: „Nun kommt die Front ganz langsam näher. Wir haben schon Pläne geschmiedet, nicht zu flüchten, sondern in den Wald zu gehen. Dann schreibe ich in mein Tagebuch mit Bleistift, denn dieses Buch nehme ich auf alle Fälle mit.“

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20. Februar

Auch über Bonn werfen die Alliierten Flugblätter ab, auf denen sie die Zivilbevölkerung zum Widerstand aufrufen.

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